Mit Rotbart in Amsterdam

katzenwolfEs muss so um 1665/66 (sechzehnhundertfünfundsechzig!) gewesen sein, als ich das letzte Mal Amsterdam besuchte. Dass ich dort unter anderem Peter Stuyesant und Johan de Witt persönlich traf, sei hier nur am Rande erwähnt. Viel wichtiger ist, dass ich auf dieser Reise das erste Mal den legendären Schiffskater Rotbart kennengelernt habe und von den Geistern der Vergangenheit in das pulsierende Amsterdam des Holländischen Goldenen Zeitalters entführt worden war. Jedenfalls setzte mich der geheimnisvolle Kapitän Lieberknecht einfach in der ersten Herberge der Stadt ab, um anschließend seinen Angelegenheiten nachzugehen. Ausführlich ist meine Exkursion in die Vergangenheit im noch unveröffentlichten Rotbartbuch „Wie alles begann“ beschrieben. Unter dem eindrucksvollen Video vom Stadsarchief Amsterdam über das Wachstum der Stadt im 17. Jahrhundert folgt hier schon einmal ein kleiner Ausschnitt aus dem Kapitel.

„ . . . . Besonders gesprächig war Lieberknecht an diesem Abend nicht. Er müsse sich mit ein paar Leuten besprechen, erklärte er mir und schickte mich damit nach ein, zwei Bier aus der nahegelegenen Brauerei mehr oder weniger deutlich zu Bett.
Der Kater hatte sich übrigens gleich bei unserer Ankunft davon gemacht, auch er hatte offensichtlich einiges im Hafen zu erledigen. Und so musste ich auch auf seine Gesellschaft verzichten.
Am nächsten Morgen wurde ich von Kanonendonner geweckt. Ich hatte wohl tief und lange geschlafen und als ich aus dem Fenster blickte, da sah ich eine unglaubliche Menge von größeren und kleineren Schiffen, die das Wasser vor der Stadt bedeckten. Ja, vom Wasser selbst war – je mehr der Blick in Richtung der Kaianlagen Amsterdams streifte – kaum noch etwas zu sehen. Dicht an dicht lagen große Handelsschiffe vor Anker, umwimmelt von hin- und hereilenden Beibooten, Schuten und Versorgungsschiffchen. Und während die Hafenbecken der Stadt immer wieder neue Segler ausspien, die ihren Weg durch die Zuidersee suchten, um Waren in alle Welt zu transportieren, kamen ihnen von derselben zahlreiche Kauffahrer entgegen, die auf die Reede vor der Stadt oder in die Hafenbecken drängten. Es war ein unglaubliches Bild, das sich da vor meinen Augen entfaltete und ein wenigstens ebenso unglaublicher Lärm, der an meine Ohren drang. Denn während von den Kais das Hämmern und Schlagen der Handwerker, die Rufe der Arbeiter und das Klappern und Rattern der Fuhrwerke herüberschallte, löste sich immer wieder ein Signalschuss von den Schiffen. Offensichtlich waren Kanonenschüsse ein beliebtes Kommunikationsmittel hier im Hafen. Zu überhören waren sie jedenfalls nicht. Mit Kanonenschüssen, so ließ ich mir später von Lieberknecht erklären, wurde der Mannschaft an Land die baldige Abfahrt ihres Schiffes bekanntgegeben, Versorgungsbooten wurde Ausrüstungsbedarf signalisiert, einfahrende Schiffe kündigten ihre Ankunft an, während Absegelnde ihrerseits ihre Umgebung auf ihre Abfahrt aufmerksam machten, um Kollisionen zu vermeiden.
Amsterdam1692Ausschnitt1SXIch muss zugeben, ich war schon sehr erleichtert, als ich die Statenjacht Lieberknechts an dem langen Holzsteg vertäut sah, den ich vom Fenster aus erkennen konnte. Ich hatte schon befürchtet, mich hätte – aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer – das gleiche Schicksal wie den wackeren Lucae ereilt. Als ich aber ins Erdgeschoss der Herberge trat, da war zwar kein Lieberknecht zu sehen, aber ein breit grinsender Wirt, der mir wortlos einem Zettel mit einer Nachricht des Käptns in die Hand drückte. „Wir treffen uns zur Mittagsstund am Hering Pakkers Toorn. Haltet Euch dort, wo die Holzhöfe endigen immer längst der Wasserseite am Eistrohme, Ihr könnt es nicht verfehlen.“ . . .“

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