Rotbart und die Schwarzfußkatze

Chapter5Bekanntlich hat Rotbart seine erste Reise im November 1653 angetreten, mit seinem legendären Lehrmeister Seetiger an Bord der Zeeland. Am 2. Februar hatten sie eine Insel der Fernando de Noronha gruppe erreicht, wo es beinahe zu einer Meuterei gekommen war. Die folgende kleine Geschichte spielte sich direkt anschließend an das Ereignis ab:

„Das hätte schlimmer ausgehen können“, schnurrte Seetiger zufrieden, „komm mit, gleich ist hier die Hölle los.“

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Aus Carl Carlszoons Journal über die Reise nach Ostindien von 1653 bis 1657

Gelassen sprang Seetiger an Deck und nahm Kurs auf den Niedergang. Als sie an den Hunden vorbeikamen, verzichtete der alte Kater großzügig auf die vorsorglichen Nasenhiebe. Rotbart jedoch konnte der Versuchung nicht widerstehen und langte zu. Ein wenig zu halbherzig, wie sich herausstellte, denn der Hund richtete sich auf und begann unbeeindruckt zu knurren. „Stehenbleiben!“ rief Seetiger dem erschrockenen und fluchtbereiten Katerchen zu und Rotbart erstarrte befehlsgemäß, vielleicht auch gelähmt vor Angst, wer weiß das schon. Aber es schien zu wirken. Das Knurren des Hundes ging in ein leichtes, beinahe entschuldigendes Winseln über und unter den immer selbstbewusster werdenden Blicken des kleinen Roten, legte er sich schließlich nieder, drehte den Kopf zur Seite und tat so, als sei er gar nicht da.

„Booaaarrrhh“, murrte Rotbart stolz, „hast Du das gesehen? Dem hab ich‘s aber gezeigt!“

Seetiger, der sich angesichts der drohenden Gefahr sofort in voller imposanter Größe hinter Rotbart aufgebaut und den Hund mit dem furchteinflößendsten Blick seiner beinahe blinden Augen sozusagen in die Knie gezwungen hatte, blickte den Kleinen milde lächelnd an. „Klar, wer würde sich nicht vor dir fürchten! Aber nun komm endlich mit.“

Der Zwischenaufenthalt bei der Inselgruppe etwa 200 Seemeilen östlich der brasilianischen Küste war nicht geplant, wohl aber der Stopp in der Tafelbucht. Dort, an der Südwestlichen Spitze Afrikas hatten die Holländer kaum ein Jahr zuvor einen Stützpunkt errichtet, der ausgiebigere Instandsetzungsaufenthalte erlaubte. Während der rund sechs Wochen Aufenthalt zeigte Seetiger, dem das Kap beileibe nicht fremd war, das wilde Afrika. Dabei lernte Rotbart auch Zwartie, die kleine Schwarzfußkatze kennen, mit der Seetiger offensichtlich seit Jahren befreundet war. Und unterwegs wartete der alte Seetiger noch mit einer gehörigen Überraschung auf:

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Zwartie, von den Annäherungsversuchen Rotbarts ein wenig angesäuert.

„Ich werde nicht mehr an Bord zurückkehren“, eröffnete er seinem fassungslosen Schüler, „du wirst jetzt meinen Job an Bord übernehmen. Carl und die anderen Schiffskatzen wissen bescheid. Von denen habe ich mich schon verabschiedet.“

„Aber . . . “, Rotbart rang nach Worten.

„Ich weiß, ich weiß, ich bin unersetzlich und du wirst dich ganz schön anstrengen müssen, meine Pfotenstapfen auszufüllen. Aber du wirst es schaffen, das weiß ich genau.“
Rund sechs Wochen und zahlreiche kleine und große Abenteuer später, bei denen Rotbart noch Einiges von Seetiger lernen konnte, standen der alte und der junge Schiffskater wieder am Strand der Tafelbucht.

„Vergiss nicht allen, die du unterwegs triffst, bescheid zu sagen, dort drüben, neben dem Lagerhaus im Fort werde ich meine Spelunke ‚Seetigers Katzentreff‘ aufmachen. Der Ort hier hat Zukunft!“

Rotbart nickte mit gemischten Gefühlen: „Man sieht sich“, sagte er lapidar und rammte dem alten Kater das letzte Mal seinen Schädel an die Stirn. Dann ging er, ohne sich noch einmal umzusehen zum Boot, das gerade dabei war, in Richtung seines Schiffes, der Zeeland, abzulegen.

Kapitel 6 schildert das eine oder andere Abenteuer von Rotbarts zweiter Reise von 1658 bis 1661, die ihn wieder, diesmal mit der Zoeker und Carl als Nautiker in den indischen Ozean führte und wo sich auch die bereits bekannte Geschichte mit dem Hai abspielte.

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