Rotbartsaga: Journaleinträge und Notizen

Übertragung der Dokumententexte

Cover: Rotbartsaga, wie alles begann

Die Lesbarkeit historischer Dokumente und deren Faksimiles ist beim Abdruck in Büchern naturgemäß oft beschränkt. Da ist zum einen die Schriftart, die von ihrem „Design“ her eben für das Schreiben mit dem Federkiel, nicht aber für einen optimalen Druck geeignet ist. Zum anderen ist die Tinte der ja rund 350 Jahre alten Eintragungen und Briefe gelegentlich ein wenig verblasst und damit ohnehin schwer zu lesen. Und nicht zuletzt reduziert auch die Umsetzung der Originale in Graustufen für den kostengünstigen Taschenbuchdruck die Wiedergabequalität.

Natürlich sind die Inhalte der Dokumente für das Verständnis der Geschichten des Buches nicht notwendig. Sie geben den Protagonisten aber eine jeweils ganz persönliche Note, die ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte. Deshalb finden sich auf dieser Seite – in chronologischer Reihenfolge – alle wesentlichen Textdokumente, die im Buch Rotbartsaga – Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon abgebildet sind im Original und in Klarschrift.

Carl Carlszoons Journal vom 9. Februar 1654

1654 Dokbras1Der Konflikt mit den Herrschaften des Batavia-Gouvernements ist zum Glück ohne größeren Schaden beigelegt und auch der Pope wird auf seine allerchristlichste Kolonie auf Fernando de Noronha verzichten müssen und den wohl unbequemeren Posten im fernen Ostindien einnehmen. Nun ist es aber an der Zeit so schnell wie möglich die Weiterreise anzutreten bevor sich die Aufrührer besinnen und Mannschaft und Passagiere hinter sich zu bringen verstehen.
Immerhin die Vorräte sind ergänzt und frisches Wasser ist auch an Bord. Der Schiffsführer hat Befehl gegeben das Lager am Strande abzubrechen und die Schaluppe eilt eifrig zwischen Strand und Schiff hin- und her.

Carl Carlszoons Journal vom 10. Februar 1654

1654 Dokbras2Gegen eine frische Brise aus Südost kreuzen wir aus der Bucht Richtung Süden. Seetiger hat erstmals seinen roten Kumpel mit in die Kajüte gebracht. Ein scheuer Kerl, der wohl noch nie menschliche Obhut zu genießen die Gelegenheit hatte. ich bin sicher, der stattliche junge Kater wird sich an mich gewöhnen und ebenso wie der alte Seetiger bald meine Kajüte als sein Eigen betrachten.

 

 

Carl Carlszoons Journal vom 13. März 1654

1654 Dokbras3Noch nimmer kreuzen wir mühsam gegen den stetigen Südost an. Ansonsten verläuft die Fahrt recht ereignislos. Der rote Kater hat sich inzwischen bei mir eingerichtet und duldet immerhin meine Nähe. Und ich dulde es mit einer gewissen Genugtuung dass er wenn er des Nachts von seinem Dienste zurückkehrt sich schnurrend zu meinem Fußende in die Koje legt während Seetiger wie üblich auf der Seekiste zu ruhen pflegt. Ich habe den jungen Kater Rotbart getauft und er hat zumindest nicht widersprochen oder andersweitig sein Mißfallen darüber Kund getan.

 

Logbucheintrag der Zoeker vom 26. Januar 1659

1659 Log2601165933°17″ Süd; 52°33″ ost. Vormittags kein Wind, keine Fahrt. Mittags den ersten Fisch seit drei Wochen gefangen. Leichte Brise kommt auf. Abends zunehmender Wind aus Nordwest.

Carl Carlszoons Journal vom 26. Januar 1659

1659 Journ26011659immer noch Windstille. Nach nunmehr sechs Wochen nach Verlassen des Kaps der Guten Hoffnung haben wir gerade einmal rund 1200 Seemeilen zurückgelegt. Seit vier Wochen kommen wir gar nicht mehr voran und ohne Regen wird auch das frische Wasser knapp Wasser und Vorräte verderben, die Mannschaft ist unzufrieden und muss beschäftigt werden. Die Prügeleien häufen sich.
Der Kapitän hat den Leuten wie jeden Tag der letzten Wochen Angeln verordnet. Aber bisher hat kein Fisch angebissen und der Geistliche wertet das als ein Zeichen Gottes wegen der hat im heutigen Gottesdienst den Herrn um Gnade gebeten.* Als habe Gott unsere Gebete erhört, hat heute Mittag endlich ein Fisch angebissen. Es war ein kleiner Hai, der sich an Deck gebärdete wie der Leibhaftige und der mir beim Versuch, ihn festzuhalten, damit man ihn erschlagen könne, in den Finger gebissen hatte, dass es heftig blutete.
Wäre nicht unser tapferer Schiffskater Rotbart beigesprungen und hätte den Hai beherzt am Schwanze gepackt und mit einem kräftigen Nackenbiss zu Tode gewürget, der Fisch wäre uns wohl durch das Speigatt wieder entkommen.**
Kaum war der erste Fisch gefangen, wollten auch weitere anbeissen. Als sei ein Ban gebrochen, kam nun auch eine leichte Brise auf und begann die schlaffen Segel zu füllen, so dass die Mannschaft die Angeln beiseite legen und mit Begeisterung Tuch und Rahen in Position bringen und das Schiff Fahrt aufnehmen konnte.
*unter dem Nichtstun und der Hitze hatte die Disziplin doch arg gelitten und die Männer haben sich nicht sehr gottgefällig benommen.
**Leider kamen wir nicht mehr in den Genuss des frischen Haifleisches. Rotbart betrachtete den Fisch wohl als seine rechtmäßige Beute. Uns blieb am Ende Rückgrad, Kopf und Gräten, die der Smutje zu einer schmackhaften Suppe auskochte.

Notiz des Geistlichen auf einer Karte zu den Ereignissen des 26. Januar 1659

1659 KarteAusHaiTextHier lagen wir mit der Zoeker vier Wochen in der Flaute, bis uns Gott aus der Noth errettete.
Er sandte uns einen Hai als Zeichen seiner Gnade und kurz darauf eine frische Brise.
Die Matrosen allerdings glaubten, dass es die Zauberkraft des Schiffskaters Rotbart gewesen sey, der dafür gesorgt habe, dass uns der Hai nicht wieder entwischte.

 

Carl Carlszoons Notizen auf seiner Skizze der tasmanischen Küste von 1659 Von links nach rechts)

1659 Karte1IllText1) Die Nordküste des Landes welches wohl ist vom Hauptlande separieret, alldieweil ein breiter Meeresarm erlaubet die vollständige Durchfahrt zwischen dem Neu Hollande und dem Lande, auf das Abel Tasman gestoßen ward und das er Van Diemen Land genannt hatte.
2) Das hüpfende Thier, das seine Jungen im Beutel am Bauche mit sich herumträgt ist auch hier häufig anzutreffen.
3) Ein teuflisch Wesen mit schrecklicher Stimme und roten Ohren. Fast hätte es dem armen Rotbart den Garaus gemacht.
4) Rotbart, wie er das Schnabelthier auf einem Ausfluge entdeckte und ausgiebig studierte.
5) Das wohl größte Raubthier hier, eher einem Hunde denn einem Tiger gleich.

Carl Carlszoons Brief vom 15. Oktober 1661 an seinen Bruder

1661 Brief 1661 an PietMein lieber Bruder Piet,
vor zwei Wochen habe ich mein zweifelhaftes Kommando über die Margaretha von Nassau erhalten, ein erbärmliches Schiff, das ich wohl den einflussreichen Lakaien der Oranier zu verdanken habe. Wenigstens gab mir De Witt Vollmacht und Befehl zur Requirierung eines geeigneteren Schiffes in einem beliebigen niederländischen Stützpunkt, falls mir die Gouverneurs keines freiwillig zur Verfügung zu stellen geneigt sind. Ich bin sicher, von diesem Vorrechte Gebrauch machen zu müssen, denn die Margaretha von Nassau ist doch sehr heruntergekommen, wie das wohl für alle Oranier gilt, wenn mir dieser Seitenhieb erlaubt sei.
Ach wie bedaure ich es, dass mein treuer Weggefährte und Freund, der Schiffskater Rotbart nicht mit an Borde ist. Aber meine Mission erlaubet nicht, die Abreise noch länger hinauszuzögern auch wenn dies angesichts der überbordend Rattenschaar angezeigt wäre, diese gar nicht erst anzutreten.
Und hoffe ich, bald Besseres berichten zu können, wenn ich in Westafrika ein neues Schiff ergattert. Falls wir auf dem Wege dorthin nicht abgesoffen sein werden. Selbst wenn sich noch eine Schiffskatze gefunden hätte sie würde der Rattenplage ebensowenig Herr werden wie die vergeblichen Bemühungen der Mannschaft.

1664 ErbenNotiz Carl Carlszoons auf einer Seekarte im Jahre 1664

Dies ist die Stelle, wo Rotbart und Graulocke mit ihren Kindern auf dem Deck erschienen und damit eine üble Messerstecherei verhindert haben.

 

 

Journaleintrag Carl Carlszoons vom 15. Dezember 1672 auf einem Stück Seekarte

1672 HispaniolaTortugaTagebuchSXleichte Brise, sehr warm. habe die Erlaubnis vom Gouverneur, Männer für St. Thomas zu recrutieren. Vor Rückkehr an Bord, die Taverne Chez Henry aufgesucht. Ein paar nützliche Gesellen unter den rauen Leuten gefunden.
Gegen frühen Morgen furchtbaren Katzejammer von nebenan vernommen, wo sich sicherlich auch mein alter Rotbart vergnügte, um den ich nun große Sorge verspürte, angesichts des entsetzlichen Katzengekreisches, das von den Fässern hinter der Taverne aus, die ganze Insel zu erfüllen schien. Erst die Schüsse des finsteren Wirtes in die Luft brachte die Katzenbande offensichtlich zur Besinnung.
Ernsthaft besorgt um meine vierbeinigen Mannschaftsmitglieder machte ich mich auf den Weg zum Strand, um meine menschliche Beute am wartenden Schiffsboot abzuliefern. Aber ich hätte meinen alten Rotbart und seine listigen Kumpane besser kennen müssen. Während die Schlacht in der Katzentaverne tobte, hatten es sich meine Jungs mit offensichtlich ausgewählten Gästen am Strande gemütlich gemacht und schienen eine außerordentlich friedliche und erbauliche Konversation zu führen.

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