MacHatch, der seefahrende Clansdog

Aengus MacHatch

Aengus MacHatch, Bordhund der La Grande Nef d’Ecosse

Vor allem auf englischen Schiffen wurden im 16. und 17. Jahrhundert nahezu ausschließlich Hunde als Rattenjäger eingesetzt. Denn nachdem 1484 Papst Innocent VIII. Katzen als sündhafte Teufelsbrut verdammt hatte, bekamen sie dort für rund zwei Jahrhunderte keine Pfote mehr auf die Planken. Kein Wunder, dass die Bordhunde von den britischen Inseln einen gewissen Dünkel entwickelten, der die vermeintlich natürliche Feindschaft zwischen Hund und Katze noch nährte. Zumindest dann, wenn die beiden Spezies auf neutralen Planken aufeinandertrafen. Auch Spiky MacHatch war so ein standesbewusster Schiffsratter, den eine innige Feindschaft mit Schiffskater Rotbart verband und der mit diversen anderen Vertretern der kläffenden Zunft zu den Protagonisten des zweiten Bandes der Rotbartsaga gehört (selbstverständlich nach den legendären Schiffsfelinen 😉 ). Hier Spikys Geschichte

„Du willst mir doch nicht etwa meine Beute streitig machen?“ Spiky MacHatch zog knurrend die Lefzen hoch, um seine imposanten Reißzähne zu entblößen.
Der angesprochene Kater des holländischen Ostindienfahrers Zeeland baute sich buckelnd mit gesträubtem Rückenfell zu imposanter Übergröße auf. Mit den zur Seite gefalteten Ohren, den zu Schlitzen zusammengezogenen Augen und den nadelspitzen Reißzähnen, die aus dem halboffenen Maul drohten, glich Rotbart einer furchterregenden Naturgewalt. Sein wütendes Brummen übertönte sogar das Knarren der Schiffsverbände und das Krachen der See wenn sich der Bug der Zeeland gegen die Wellen warf.
Die meisten Vertreter der kläffenden Zunft hätten den Rückzug angetreten, nicht so MacHatch. Der zeigte sich völlig unbeeindruckt von dem martialischen Schauspiel des roten Schiffsfelinen. Sein Knurren war mindestens ebenso laut wie das seines Gegenübers, das Gebiss nicht weniger eindrucksvoll und der Gesichtsausdruck nicht minder furchterregend.
„Katzen haben auf ordentlichen Schiffen nichts zu suchen, Rattenkontrolle ist Hundesache, seit Generationen, so wahr ich ein MacHatch bin“, schnappte der Cairn-Terrier-Windhund-Mischling wütend.

Die ClanMacHatch-Dogs

Immerhin, Spikys Urahn Aengus MacHatch hatte als Hund des Bootsmanns seit 1532 auf dem damals größten Schiff der Welt, der La Grande Nef d’Ecosse, gedient, die der schottische König James IV. unter dem Namen Great Michael 1505 in Auftrag gegeben hatte. Als das Schiff 1545 dann in französischen Diensten an der Schlacht im Solent teilnahm, stand Aengu‘s Vetter Andrew MacHatch, ein Jack-Russel-Mischling, auf dem englischen Flaggschiff Mary Rose seinen Hund und folgte seinem Herrchen beim Untergang des Schiffes in den nassen Tod*. Ohne einen MacHatch dürfte Sir Francis Drakes Bootsmann 1588 kaum gegen die spanische Armada gesegelt sein. Und natürlich gab es nicht wenige Clansdogs, die im 17. Jahrhundert in der englischen Flotte gegen die Holländer kämpften. So berühmte Namen wie Finlay, Alibert, Ailein, Artec oder Alastair seien hier erwähnt, alles MacHatches. Er selbst hatte auch zu den legendären Clansdogs der englischen Flotte gehört, jedenfalls bis zum 26. August 1652.

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Spiky MacHatch bei der Schlacht vor Plymouth

Es war die zweite Schlacht des ersten Niederländisch-Englischen Krieges an der Spiky MacHatch mit seinem Herrchen, dem Bootsmann Peter Black, teilgenommen hatte. Sein Schiff hatte mit zwei Weiteren der Flotte des Admirals Sir George Ayscue das größte holländische Kriegsschiff, die Vogelstruys gestellt, das den Anschluss an Michiel de Ruyters Flotte verloren hatte. Die 200 Besatzungsmitglieder des mit 40 Kanonen schwerbewaffneten niederländischen Ostindienfahrers waren dem Enterangriff der drei englischen Gegner nicht gewachsen. Auch der mächtige Peter Black, selbstverständlich in Begleitung des heldenhaften Spiky MacHatch, hatte sich auf das Deck des feindlichen Schiffes gekämpft und der Sieg war zum Greifen nahe. Mit dem keltischem Furor, der einem Clansdog zur unerbittlichen Kampfmaschine machte, verbiss sich Spiky, immer wieder zwischen den Beinen seines Bootsmanns hervorschnellend, in die gegnerischen Waden, während sein Herrchen die schmerzgepeinigten Opfer MacHatchs niedermachte. Die beiden waren ein eingespieltes, kaum zu stoppendes Team, aber irgendwann geschah es doch. Der Bootsmann hatte fast das Achterdeck erreicht und sah kurz innehaltend, wie Holländer bereits versuchten, die Flagge zu streichen. Diese kurze Unaufmerksamkeit reichte aus und ein kräftiger Hieb mit einem Belegnagel erwischte ihn am Hinterkopf, sodass er taumelte und schließlich blutüberströmt neben einem umgestürzten Geschütz an der Bordwand zusammenbrach.

Seitenwechsel

Als Black wieder zu sich kam, lag er noch immer neben der Kanone, den treuen Spiky MacHatch auf seinen Beinen, misstrauisch die Umgebung beobachtend und bereit, sein Herrchen gegen jeden Angriff zu verteidigen. Aber das Schlachtgetümmel war vorüber, auf dem Deck herrschten emsige Aufräumarbeiten und als der Bootsmann vorsichtig den dröhnenden Kopf wendete und einen Blick durch die offene Stückpforte warf, wollte er seinen Augen nicht trauen. Zu qualmenden Wracks zerschossen suchten die englischen Schiffe mit zerfetzten Segeln das Weite und ihn hatten seine eigenen Leute auf dem Holländer einfach zurückgelassen. Schnell hatte man den verwundeten Engländer mit seinem Hund entdeckt und vor die Wahl gestellt, entweder als Kriegsgefangener irgendwo auf einer niederländischen Insel zu vergammeln, oder in die Dienste der notorisch personalknappen Niederländischen Ostindienkompagnie zu treten. Ohnehin von den eigenen Leuten schmählich zurückgelassen, fiel dem Peter Black die Wahl nicht schwer. Und so kam es, dass er zunächst auf der Insel Texel interniert wurde, um von dort auf die Zeeland beordert zu werden. Dass Spiky MacHatch seinem Herrchen folgte, versteht sich von selbst.
Während seiner Zeit auf Texel erfuhr Peter schließlich auch, was an Bord der Vogelstruys eigentlich passiert war. Tatsächlich hatte die Leute des friesischen Kapitäns Douwe Aukes angesichts der englischen Übermacht längst der Mut verlassen und als Zeichen der Aufgabe wollten sie die Flagge niederholen. Aber sowohl sie, als auch die Engländer hatten die Rechnung ohne den heißblütigen Friesen gemacht. Mit brennender Lunte an einem Pulverfass stehend, drohte er, eher das Schiff in die Luft zu sprengen, als die Flagge zu streichen und erzielte damit eine unglaubliche Wirkung. Ob nun aus Angst oder neu aufgeflammtem Heldenmut, stürzten sich die holländischen Matrosen auf die überraschten englischen Enterabteilungen trieben sie zurück auf ihre Schiffe oder fegten die Gegner einfach über Bord. Und als die wieder zu Kräften gekommene Vogelstruys auch noch ihre zahlreichen noch intakten Kanonen sprechen ließ, verwandelten sich die englischen Schiffe binnen kurzer Zeit in vom Sinken bedrohte Wracks, die ihr Heil in der Flucht suchten.

Leben mit Schiffskatzen

Auch wenn Spiky seinem Herrchen bis in die Hölle folgen würde, mit der Entscheidung auf einem holländischen Schiff anzuheuern war er ganz und gar nicht glücklich. Hier betrachteten sich die Katzen als vierbeinige Elite und seine mangelnde Erfahrung mit den felinen Widersachern verunsicherte ihn gehörig. Vor allem Seetiger, dieser alte, nahezu blinde aber unglaublich selbstbewusste Kater war ihm so unheimlich, dass er ihm und seinem Katzenvolk geflissentlich aus dem Weg ging. Mit Akzeptanz hatte das nichts zu tun und irgendwann würde er für klare Verhältnisse unter den Vierbeinern an Bord sorgen. Und das konnte für ihn nur bedeuten: Unterwerfung der Felinen unter sein Kommando oder bedingungsloses Abmustern der Katzen, ob an Land oder auf hoher See, war dem Clansdog dabei völlig egal. Bei den Hunden war er sowieso der Chef.
Und dann war sie da, die langersehnte Gelegenheit. Seetiger war vor rund einer Woche an Land gegangen und hatte das Schiff seinem Schützling Rotbart überlassen. Der musste sich seine neue Rolle an Bord erst noch erarbeiten – recht gute Voraussetzungen für MacHatch. Vorsichtig war er dem roten Kater in die Tiefen des Laderaumes gefolgt. Und nun war er allein mit seinem Widersacher.

„Du willst mir doch nicht etwa meine Beute streitig machen?“ Spiky MacHatch zog knurrend die Lefzen hoch, um seine imposanten Reißzähne zu entblößen. . . . .

* Spiky rühmt sich bedeutender Vorfahren, wie beispielsweise des Jack Russel-Mischlings, der 1545 mit dem englischen Flaggschiff „Mary Rose“ untergegangen ist und dessen im Rahmen der archäologischen Bergung des Schiffes gefundenen Überreste heute im Mary Rose-Museum in Portsmouth bewundert werden können. Die Museumsleute haben dem rekonstruierten Schiffsratter-Skelett den Namen Hatch verliehen.

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