Willkommen bei Lucky Lady‘s

BBLuckyLadieSXWer bereits den ersten Band der Rotbartsaga „Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon“ gelesen hat, weiß um die Bedeutung des Nieuw Amsterdamer Katzentreffs. Mit Willkommen bei Lucky Lady’s beginnt hier die Geschichte der legendären Katzenspelunke als Nebenprojekt der Rotbartsaga.

Schnell war die junge bunte Katze im Schatten der Lagerhäuser verschwunden. Der Matrose, der das am Pier vertäute Beiboot bewachte, hatte nicht einmal bemerkt, wie sie vom Schiff auf das Boot gelangt war. Und als sie – nach geduldigem Warten auf die Dunkelheit – ihre Pfoten erstmals auf den Boden Nieuw Amsterdams setzte, da konnte noch niemand ahnen, dass die langhaarige Glückskatze dereinst zu einer Berühmtheit in den tierischen Seefahrerkreisen werden sollte. Bei ihrer Ankunft in einer milden Julinacht des Jahres 1653 war sie davon noch weit entfernt. Nieuw Amsterdam, das waren eine Handvoll Straßen mit Häusern, eine Gracht, natürlich das Fort und der Verwaltungssitz der Gouverneure, Kirche, Lagerhäuser, Gärten und nicht zu vergessen, der etwa einen Kilometer vom südlichen Ende Manhattans entfernte Schutzwall, der das knapp eineinhalbtausend Einwohner fassende Nest vom Rest der Insel abschottete. Was die kräftige Glückskatze dazu trieb, ausgerechnet hier für immer an Land zu gehen, weiß niemand. Über ihre Herkunft und Vorgeschichte ist ebenfalls nichts bekannt.
Die Bunte ließ es sich in den Lagerhäusern am Hafen gut gehen und hatte sich hier bald häuslich eingerichtet. Die Zweibeiner sahen das gerne, zumal sich mit den Gütern der verhältnismäßig wenigen Schiffe aus Europa auch die Ratten in den Waren- und Proviantlagern ausbreiteten. Ihre natürlichen Feinde, die Katzen, hatten die Neue Welt in jener Zeit noch kaum erobert. Sie waren meist hier gestrandet, weil sie beim Landgang die Abreise ihres Schiffes verpasst hatten, oder von wohlhabenden Kolonisten für teures Geld importiert worden waren. Die Nieuw Amsterdamer Katzenpopulation mit der sich die Glückskatze die Beute teilen musste war also überschaubar. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Revierstreitigkeiten eher die Ausnahme waren und kätzische Einwanderer von ihren Artgenossen noch problemlos geduldet wurden. Anders verhielt es sich da bei den kläffenden Kollegen. So manch ausgelassene Lagerhausparty zu der die Bunte geladen hatte, wurde von wütenden Hunden auseinandergetrieben. Dabei dürfte weniger die klassische Hund-Katze-Feindschaft, sondern vor allem der Geräuschpegel des Katzentreibens, das gelegentlich Mensch und Hund den Schlaf raubte, eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben.
Es waren die wilden Jahre der bunten Katze, die ihr den Namen Lucky Lady eingebracht hatten. Denn das Katzenleben in Nieuw Amsterdam war nicht ungefährlich. Nicht nur, dass die pfeilschnellen Jagdhunde der kolonialen Oberschicht oder die wendigen Rattenhunde eine ständige Bedrohung darstellten, auch die überbordende Rattenpopulation selbst war für die durchschnittliche Katze eine echte Herausforderung. Aber im Gegensatz zu vielen ihrer Artgenossen gelang es Lucky Lady zeitlebens, die Attacken ihrer Feinde und die natürlichen Gefahren wie Stürme oder ungewöhnlich kalte Winter, unbeschadet zu überstehen. Ganz sicher lag das an ihrer außergewöhnlichen Intelligenz, aber auch an der Tatsache, dass sie insbesondere unter den Schiffskatern auf Landgang eine ganze Reihe an glühenden Verehrern hatte. Irgendwann wurde es bei den Schiffsfelinen Brauch, beim Aufenthalt ihres Seglers in Nieuw Amsterdam bei Lucky Lady im Lagerhaus vorbeizuschauen, dabei die reichhaltigen Nagerbestände zu dezimieren und es sich auch sonst mit den Artgenossinnen gut gehen zu lassen.
Und so steuerte auch Jack Tiger unverzüglich den neuen Katzentreff an, als er im Herbst des Jahres 1656 auf einem Westindienfahrer in Nieuw Amsterdam eintraf.
„Dich kenne ich noch nicht“, wichtigtuerisch trat Don Gatootso aus dem Schatten des Schuppens, „ich muss wissen, wer du bist, bevor ich entscheide, ob du hier rein kommst!“
Jack Tiger schaute dem ebenfalls rotgetigerten Gegenüber frech in die Augen: „Ich kenne dich auch nicht.“
Bevor Don Gatooso reagieren konnte, war Jack Tiger bereits an ihm vorbeigeschlüpft und steuerte geradewegs auf die Dame des Hauses zu. Der selbsternannte Türsteher schlenderte dem Roten belustigt hinterher. Der Besucher ließ sich also nicht so ohne Weiteres ins Bockshorn jagen, ein echter Schiffskater eben. Don Gatooso war gespannt, was der Neues zu berichten hatte. Im Moment war hier nämlich nicht gerade viel los, und der Herr Katerbär, der seinen klangvollen Namen in der Zeit seines Dienstes auf einer spanischen Silbergaleone erhalten hatte, langweilte sich. Da kam ihm der Besuch gerade recht. Auch von den einheimischen Katzen war die Ankunft des hier noch unbekannten Schiffskaters nicht unbemerkt geblieben. Und so konnte sich Jack Tiger der Aufmerksamkeit eines interessierten Publikums sicher sein, als er von seinen Abenteuern berichtete.
„ . . . und dann hat er doch tatsächlich in das Gemüsebeet des Kapitäns gekackt, ich sage euch, der Steward war stinksauer. Er ist sogar mit einem Küchenmesser über das Deck hinter Rotbart hergerannt.“
Eine Anekdote nach der anderen gab der Schiffskater seiner gebannten Zuhörerschaft zum Besten. Da blieb kaum Zeit, sich zwischendurch zu Putzen oder an den duftenden Fischresten zu knabbern, die die Hausherrin ihren Gästen bereitgelegt hatte. Und als Jack Tiger schließlich mit der Nachricht vom Schiffbruch der Zeeland herausrückte, da ertönte ein bedauerndes Maunzen aus der Zuhörerschaft, obwohl die meisten der Anwesenden die vermissten Artgenossen gar nicht kannten.
Vom Schiffbruch vor Sumatra hatte Jack Tiger in Seetigers Katzentaverne im Fort von Kapstadt erfahren. Kollegen aus Batavia hatten auf ihrer Rückreise nach Amsterdam 1655 am Kap Station gemacht und berichtet, dass die Überlebenden der Zeeland wohlbehalten im niederländischen Stützpunkt auf Java eingetroffen waren. Schiffskatzen waren allerdings nicht dabei gewesen. Jack, der 1653 mit Grotebroer, Kleinebroer, Seetiger, Newton und Rotbart auf der Zeeland bis zum Kap mitgereist und hier zusammen mit Seetiger an Land geblieben war, wollte nicht glauben, dass seine Kumpels ertrunken waren.
„Grotebroer ist viel zu erfahren, Newton zu schlau und Rotbart, der hat sogar schon die Klabautermiez gesehen und den Kampf mit Jonny Roger, der Klabauterratt überlebt. Da war ich selbst fast dabei, ich schwörs!“
„Rotbart? Wer ist eigentlich Rotbart? Wir haben noch nie von einem Rotbart gehört.“ Lucky Lady und Don Gatooso, neben Jack Tiger die einzigen Schiffskatzen in der Versammlung, waren neugierig geworden.
„Der wird mal ein ganz Großer“, versicherte Jack. Und dann begann er alles zu erzählen, was er über Rotbart wusste. Wie der kleine Rote den alten Seetiger kennengelernt hatte und zum Schiffskater wurde, wie er sich am Anfang seiner allerersten Reise im Sturm geschlagen oder sich zu Weihnachten mit betrunkenen Matrosen angelegt hatte. Natürlich durfte auch die Geschichte mit Swartie, der wilden Schwarzfußkatze in Südafrika nicht fehlen.
„In der kurzen Zeit, in der er Seetigers Schüler war, hat er unglaublich viel gelernt. Und wir werden ganz bestimmt noch ganz viel von ihm hören“, versprach Jack Tiger voller Überzeugung.
Die Tage bis zu Jacks Abreise vergingen wie im Fluge und weil der Kater zahlreiche unglaubliche Geschichten auf Lager hatte – selbstverständlich viele über seine eigenen Heldentaten auf See – hatte Lucky Lady’s in dieser Zeit Hochkonjunktur. Don Gatooso hatte alle Pfoten voll zu tun, die eine oder andere Leckerei in Form von Fisch, Fleisch und Geflügel aus den Speisekammern und Küchen menschlicher Haushalte „auszuleihen“. Die Zweibeiner erhielten die Leihgaben dann in Form von erlegten Ratten und Mäusen zurück, die er und seine JagdgenossInnen säuberlich vor den Türen der zweibeinigen Leihgeber aufreihten. Die Menschen kannten die Eigenheiten des gemütlichen rotgetigerten Katers gut, der immer mal wieder zwischen seinen Reisen in die Karibik bei Lucky Lady Station machte. Niemand konnte dem liebenswürdigen Kerl böse sein, aber alle waren froh, wenn er wieder absegelte. Das hatte nicht nur mit seinen kleinen Räubereien zu tun, sondern auch mit seiner Leidenschaft für das weibliche Geschlecht, die sich in endlos erscheinenden Nächten lautstarken Katzengejammers ausdrückten.
Als Jack Tiger an Bord seines Schiffes zurückkehrte, wurde er von Don Gatooso begleitet. Die nächste Station des Seglers war nämlich die karibische Insel Tortuga. Dort war es nicht nur deutlich wärmer als in Nieuw Amsterdam, das so langsam aber sicher auf einen strengen Winter zusteuerte. Mit Chéz Henry gab es dort auch eine legendäre Katzenspelunke in der es richtig rund ging. Nicht zu vergleichen mit dem gehobenen Niveau von Lucky Lady’s.

Titel Rotbartsaga 2

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