Rotbarts Klabautermiezen

Wie so vieles hatte auch die „Alte“, die oberste Klabautermiez der Rotbartsaga, ihre eigene Geschichte. Denn ihrem realen Vorbild, der greisen Reiterhofkatze Garfield, waren wir bereits begegnet, als an das Buchprojekt oder gar die Schiffskatzentaverne noch nicht zu denken war.
Es muss so um 2006 gewesen sein, als ich folgende bislang unveröffentlichte Hommage an die taffe Glückskatze verfasst hatte.
„Am Anfang war Garfield. Das darf man durchaus wörtlich nehmen. Denn als wie auf dem Reiterhof eintrafen, da war die bunte Katze Garfield bereits da. Zurückgelassen von den Vorbesitzern des Reiterhofes, genauso wie Nando der Hofhund.
Garfield, mittlerweile in die Jahre gekommen, ist sicherlich die einzige echte Hofkatze der inzwischen insgesamt vier Samtpfoten des Anwesens. Ihr gehört der Reiterhof, sie kennt jede Ecke, jedes Versteck und sie lässt sich weder von Menschen noch von Hunden noch von anderen Katzen beeindrucken. Ruhig und selbstbewusst zieht sie ihre Bahnen über den Hof, legt sich mit jedem Hund an, der ihr zu nahe kommt oder von dem sie meint, er habe nicht das Recht ihre Wege zu kreuzen. Und obwohl sie inzwischen rund 17 Jahre alt ist, abgemagert, unsicher auf den Beinen und außerordentlich schwerhörig, flößt sie selbst unserem Kater, der nunmehr auch schon rund drei Jahre auf dem Hof verbracht hat, immer noch einen Heidenrespekt ein. Und das ist auch kein Wunder, denn so gebrechlich sie inzwischen auch wirkt, und so viele Handicaps sie auch hat, ihr Selbstbewusstsein hat sie nicht verloren.
Wenn sie den Kater, der immer mal wieder versucht, sie zu beschleichen und zu überfallen, auch nur sieht, beginnt sie fürchterlich zu brummen und zu knurren. Und Katerchen macht einen mindestens zehn Meter weiten Bogen um die alte Dame. Und wenn nicht genügend Platz zum Ausweichen ist, wartet er, bis meine Frau oder ich kommen, um ihm am fauchenden Ungeheuer vorbei Geleitschutz zu geben.
Und sitzt Garfield zufällig im Eingang zum Stall und ein Hund möchte hinein, dann wird die alte Katze immer größer, ihre Rückenhaare sträuben sich und sie brummt und faucht so lange, bis der arme Hund völlig eingeschüchtert hinter Herrchen oder Frauchen Schutz sucht. Wenn das alles nichts hilft, dann geht Garfield eben zum Angriff über. Und wer einmal versucht hat, die Katze gegen ihren Willen auf den Arm zu nehmen, der weiß, was es bedeutet, mit ihren Krallen Bekanntschaft zu machen.
Aber ich möchte hier kein falsches Bild von der Katze zeichnen. Garfield ist in keiner Weise streitsüchtig. Sie lässt sich auch ohne Weiteres streicheln, ist verschmust und wirklich lieb, wenn man sie respektiert. Sie ist durchaus auch ruhebedürftig und so zieht sie, wenn sie gegenüber Hunden und Katzen ihren Anspruch auf das Hofrevier geklärt hat, ihrer Wege und sucht sich irgendwo ein ruhiges Plätzchen.“
2009 ist Garfield über die Regebogenbrücke gegangen und als Jahre später die Geschichte von Rotbart und der Klabauterschlacht (Rotbartsaga, Schiffbruch vor Sumatra) entstand, war vollkommen klar, dass „die Alte“ von keiner anderen Samtpfote als Garfield verkörpert werden konnte. Und so wurde Garfield nicht nur die erste Klabautermiez, sondern mit der Zeit auch zur Herrscherin des Reiches, in dem all jene Samtpfoten, die ebenfalls zum Vorbild für meine Protagonisten der Rotbartsaga und der damit verbundenen Geschichten geworden sind, nach deren Gang über den Regenbogen willkommene Aufnahme finden. Und die ersten Bewohner des Klabauterreiches kamen schneller als gedacht.
Nächste Folge: Die „Klabautermiezen der ersten Stunde“







