Carlszoons Cottage an der Mündung des Mystic River

CarlsCott1675Es war gar nicht so einfach gewesen, Carlszoons Cottage anhand der doch recht ungenauen Angabe des mysteriösen Holländers aufzuspüren. Und als ich durch vergleichende Studien historischer und moderner Karten schließlich ausgerechnet auf die Küste der Mündung des Mystic River am Zugang zum Long Island Sund gestoßen bin, war ich natürlich misstrauisch. Aber die Bezeichnung des Flusses hat nichts mit Mystik zu tun, sondern ist Opfer der angloamerikanischen Verballhornung der ursprünglichen indianischen Bezeichnung „missi-tuk“, was soviel bedeutet wie großer Fluss mit von Wind oder Gezeiten verursachten Wellen. Die ersten Siedler hatten die Gegend am Westufer noch „Mistick“ genannt, heute ist das Gebiet als Old Mystic bekannt.

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Belagerung von Brookfield (Connecticut) im King Philip’s War

Es erscheint schon erstaunlich, dass sich ausgerechnet der Holländer Carl Carlszoon 1673 in einer englischen Kolonie zur Ruhe gesetzt hatte. Allerdings hatten die Holländer da ihre nordamerikanischen Besitzungen einschließlich Niew Amsterdam ohnehin an die Engländer verloren. Ruhig war aber wie aus den gefundenen Aufzeichnungen – die mit dem Tod Rotbarts 1678 abrupt enden – hervorgeht, der Ruhestand des Katers und seines menschlichen Freundes keineswegs. Denn die europäischen Kolonisten waren zu jener Zeit in den sogenannten  King Philip’s Krieg verwickelt. 1675 hatte der Aufstand der Wampanoag unter ihrem Häuptling, der von den Europäern  King Philip genannt wurde (sein richtiger Name war Metacomet), begonnen. 1676 hatten die gegenseitigen Gemetzel und Massaker der verschiedenen Koalitionen aus Europäern und Indianerstämmen mit dem Tod Philips ihr Ende, die beiden folgenden Jahre verbrachten die Engländer damit, Philips tatsächliche und vermeintliche indianischen Verbündete zu jagen, zu vernichten und zu versklaven.

Die Indianer, denen der Mystery River seinen Namen verdankt, die Pequot, hatten die Kolonisten bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts  dezimiert und in Reservate verbannt. Sie spielten im King Philip’s Krieg keine Rolle mehr.

New London am Thames River (zu dem die Mystic Region heute gehört) und die durch den Mystic River voneinander getrennten Orte Groton und Stonington  waren bis in die jüngere Vergangenheit bedeutende Hafen- und Industriestädte. Das maritime Freilichtmuseum Mystic Seaport mit seinem Museumsschiff Charles F. Morgan, präsentiert dem Besucher die ganze maritime Vergangenheit der Region, die immerhin zu den wichtigsten amerikanischen Walfang- und Werftstandorten des 19. Jahrhundert zählte. Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, das Carl Carlszoon jene Stelle, von der aus er das maritime Treiben seiner Zeit hervorragend beobachten konnte, als Ruhesitz ausgewählt hatte. Ob nun  Holländer oder Engländer, Carlszoon und Schiffskater Rotbart waren  eben zu allererst Seeleute.

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